Dienstag, 18. Dezember 2018
Notruf: 112

1894-2014

120 Jahre

Freiwillige Feuerwehr Bredelem

 

Der 15. Mai 1830 ist nicht der Gründungstag unserer freiwilligen Feuerwehr jedoch prägt dieses Datum das Dorf bis heute. Chronist Hans Ottomann bezeichnet den 15. Mai 1830 in seinem Beitrag zur Festschrift zum 75 jährigen Jubiläum als den schwärzesten Tag in der Entwicklungsgeschichte Bredelems. Gegen 21:30 Uhr wurde Feuer gelegt und fast 30 Wohnhäuser und Wirtschaftsgebäude werden ein Raub der Flammen. Viele Bewohner konnten, da sie schon „auf die Kammer nach dem Bette rein waren“ nur ihr Leben retten und ihr ganzes Hab und Gut, sowie ein Teil des Viehs ging in den Flammen unter. In einem Zeitungsbericht von 1930 wird geschrieben, dass von 46 Bauernhöfen und anderen Häusern nur 10 Brinksitzerhäuser, das Spritzenhaus, die Schmiede, die Kirche und das Pfarrhaus verschont blieben. Auch vom Tod eines 10 jährigen Mädchens und von einem Gedenkgottesdienst anlässlich des 100 Jahre zurückliegenden Ereignisses wird berichtet. Die wenigen, die Hab und Gut behielten unterstützten nach Kräften vorbildlich diejenigen, die nun nichts mehr hatten und auch aus anderen Ortschaften wurde den Bredelemern große Hilfe zu Teil. Die Enge des Dorfes war ein wesentlicher Grund für die Ausbreitung des Feuers, sodass man sich entschloss durch eine Neuvermessung und Neuverteilung von Grund und Boden dem Dorf seinen noch heute bestehenden großzügigen Charakter zu verleihen. Die Regierung stellte für den Wiederaufbau das Bauholz zur Verfügung und mit Hilfe geschickter Zimmerleute aus dem Eichsfeld konnten die Bredelemer nach nur eineinhalb Jahren in ihre neuen Häuser einziehen.
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Ortsplan um 1850 aus dem Archiv von Heinrich Achilles

Als Gründungstag unserer Freiwilligen Feuerwehr ist der 25. April 1894 anzusehen, jedoch hat es auch vorher ein Feuerlöschwesen in Form einer Pflichtfeuerwehr gegeben. Die Landwirte waren verpflichtet, bei einem Brand Wasser in fahrbaren Behältern zur Einsatzstelle zu bringen, sodass Frauen das Wasser mit Ledereimern in die Spritze füllen konnten. Damit versorgten sie die sich vorn im Einsatz befindenden Männer. Man kann sich vorstellen, wieviel Wasser dabei verloren ging. Die Kombination von landwirtschaftlichem Gerät und Feuerlöschtechnik sollte die Geschichte der Dorffeuerwehren lange Zeit prägen. In der Pflichtfeuerwehr hatten alle Männer von 18 bis 45 Jahren ihren Dienst zu verrichten und trugen eine weiße Armbinde. Sie unterstanden dem Brandmeister. Die älteren Jahrgänge dienten als Ordnungsmannschaft mit roter Armbinde und unterstanden dem Ortsvorsteher. Die Frauen durften offensichtlich helfen, aber eine schöne Armbinde gab es dafür nicht. Am 20.12.1893 erließ der königliche Landrat eine Polizeiverordnung, die die 35 Paragraphen umfassende Feuerlösch- und Normalübungs-verordnung für den Kreis Goslar enthielt. Diese Verordnung hatte man im Königreich Hannover, dass seit 1866 eine preußische Provinz war, vom Herzogtum Braunschweig kopiert. Dies erklärt auch, warum zum Beispiel die Braunschweigischen Feuerwehren in Astfeld 1875, Langelsheim 1874 Lauthenthal 1873 und Wolfshagen 1874 circa 20 Jahre älter sind, als Hannoversche Wehren wie Jerstedt, Hahndorf, Dörnten, Othfresen oder Bredelem, alle von 1894. Besagte Verordnung hatte zur Folge, dass die einzelnen Gemeinden selbstverantwortlich für eine Feuerwehr zu sorgen hatten. Gelang dies nicht auf freiwilliger Basis, dann eben als Pflichtfeuerwehr. Als Anreiz wurden für die Freiwilligen Feuerwehren Uniformen ausgeteilt, sodass sich viele junge Männer zum Dienst meldeten. Die örtlichen Feuerwehren bestanden aus der „einexerzierten Feuerwehr“, der die Brandbekämpfung und Rettung von Mensch und Vieh oblag und der Ordnungsmannschaft, wie schon zu Zeiten der Pflicht- oder Turnerfeuerwehren. Die verpflichtete Ordnungsmannschaft hatte die Aufgabe die Gefahrenstelle abzusichern, das geborgene Inventar zu bewachen und wenn nötig beim Pumpen an der Handdruckspritze auszuhelfen. Die uniformierten Freiwilligen blickten nicht selten  von oben auf die uniformlose Pflichtmannschaft herab, was oft zu Reibereien führte. Bis zum Eintreffen des Bezirkshauptmanns hatte immer der ranghöchste Führer der Ortswehr das Kommando. Die einzelnen Wehren gliederten sich in Sektionen von 6 bis 8 Männern, die von einem Spritzenmeister geführt wurden. 3 bis 4 Sektionen bildeten einen Zug und 2 bis 4 Züge bildeten eine Kompanie.

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Zur persönlichen Ausrüstung der Männer gehörte ein lackierter Helm aus Blech oder Leder, eine dunkelgraue Wolljoppe mit rotem Stehkragen und einem 13 cm breiten Gurt. Die Spritzenmeister trugen einen Gürtel mit Tasche, Ring, Axt, Leine und einer Laterne. Als Dienstabzeichen trugen die Spritzenmeister geflochtene Schulterstücke aus rot-weißer Wollschnur. Die Steiger galten als Elite der Feuerwehr. Sie waren ausgerüstet, wie die Spritzenmeister, hatten jedoch einen blanken Helm. Für die Alarmierung waren die Hornisten zuständig. 

Am Sonnabend, 19.Mai 1894 hielt man auf dem Hof des Ökonomen und Feuerwehrhauptmannes Gottfried Bruer (heute Scherb) die erste Übung ab. Die neue Handdruckspritze von der Firma Spengler und Lohmann aus Hannover konnte am 27. Juli 1894 in Empfang genommen werden und wurde unter den Augen von Herrn Spengler am darauffolgenden Sonntag getestet. Die Spritze, die sich auch heute noch einsatzfähig im Besitz der Feuerwehr befindet, leistet 200 Liter pro Minute und kostete damals 1350 Mark, was heute einem Wert von 13.311 Euro entspricht. Eine moderne Tragkraftspritze kostet heute auch nur circa 9.000 Euro bei der fünffachen Leistung. Am 14. Oktober desselben Jahres begab sich Kreisbranddirektor Gerloff nach Jerstedt und Bredelem, um die Leistungsfähigkeit der jungen Feuerwehren zu überprüfen. Zehn Minuten nach der Alarmierung konnte zur allgemeinen Zufriedenheit Wasser gegeben werden. Die Goslarsche Zeitung berichtete:“ Die Übungen wurden an einer Scheune vollzogen und fielen durchaus zur Zufriedenheit des Herrn Gerloff aus. Sowohl die Handhabung der Spritze, wie diese selbst, und wie überhaupt die Übung der gesamten Wehr, veranlassten den Herrn Branddirektor sich in sehr anerkennenden Worten darüber zu äußern, was zweifellos zu einer immer weiteren Ausbildung und Vervollkommnung der Wehr beitragen wird.“

Den ersten Einsatz hatte die Wehr am 31. Mai 1895 in Jerstedt. Ein Blitzschlag hatte die Scheune des Gastwirts Heike (heute Niedersachsenkrug) entzündet. Die Bredelemer kamen aber nicht zum Einsatz, da die Jersteder den Einsatz ihrer beiden Handdruckspritzen für ausreichend hielten.

image078Im gleichen Jahr wurde das neue Spritzenhaus in der Landstraße fertiggestellt, um der Feuerwehr für 84 Jahre ein Dach über dem Kopf zu geben. Es handelte sich um einen mit Ziegeln ausgemauerten Fach-werkbau. Das Gebäude gehört heute dem Landwirt und Feuerwehrkameraden Hermann Söchtig, der es als Stallgebäude und Garage nutzt. Im Jahr 1905 gab Gottfried Bruer das Amt als Hauptmann an den Landwirt Heinrich Ehlers ab, der bis 1914 die Wehr führte. Die nächsten Einsätze für die Feuerwehr ließen auf sich warten, es gab einen Hausbrand im Jahre 1905 und einen weiteren im Jahre 1907. Zwischen 1908 und 1915 rückte  die Wehr mehrmals zu nachbarschaftlichen Löschhilfen nach Othfresen, Upen, Jerstedt und Dörnten aus. Um im Training zu bleiben legte man besonderen Wert auf den Übungsdienst, mal mit der Ordnungsmannschaft, mal ohne. Während des ersten Weltkrieges war das Üben besonders wichtig, da Ersatz für die in den Krieg gezogenen Kameraden gestellt werden musste. Hauptmann war ab 1914 der Gastwirt August Macke, der die Wehr bis 1926 führte. Im Anschluss an die Übungen wurde immer eine Versammlung abgehalten, bei der vom Schriftführer festgehalten wurde, wer unentschuldigt fehlte, sodass ein Strafgeld verhängt werden konnte. 

Im Jahr 1922 mussten die monatlichen Mitgliedsbeiträge auf Grund der Inflation von 30 Pfennig (heute ca. 2 Euro) auf 1 Mark angehoben werden, 7 Monate später 5 Mark, 5 Monate darauf 100 Mark. Es folgten Tausender und Millionen, bis der Beitrag im Februar 1924 wieder auf 20 Reichspfennig festgesetzt wurde. Feuerwehtechnisch gab es wieder nachbarschaftliche Löschhilfen und einen Stallbrand beim Gastwirt Bollmeier. Im Jahr 1926 kaufte die Gemeinde eine Glocke für die Handdruckspritze, sowie Sitzbretter für einen Mannschaftswagen. Hauptmann von 1926 bis 1933 war August Fricke.

Aus den folgenden Jahren gibt es wenig zu berichten, jedoch begann mit dem politischen Umbruch im Lauf des Jahres 1933 eine Epoche innerer Unruhe und Unstetigkeit.
In der Zeit des Nationalsozialismus verkündete die nationalsozialistische Regierung in Preußen am 28. Dezember 1933 das Gesetz über das Feuerlöschwesen (FLG – Feuerlöschgesetz), das mit Wirkung vom 1. Januar 1934 in Kraft trat. Hier hat sich dann die Bezeichnung Feuerlöschpolizei durchgesetzt (obwohl es diese Bezeichnung offiziell nicht gab). Vielerorts wurde dieses Gesetz als ein wesentlicher Schritt zur Vereinheitlichung des Feuerlöschwesens in Preußen begrüßt. Die Feuerwehren wurden bereits durch das Feuerlöschgesetz zum Werkzeug eines möglichen Krieges gemacht.

Das Reichsgesetz über das Feuerlöschwesen vom 23. November 1938 bildete den Schlussbaustein für die seit 1933 von den Nationalsozialisten durchgeführte Einbindung des deutschen Feuerlöschwesens in die Polizei, Berufsfeuerwehren wurden in Deutschland jetzt als Feuerschutzpolizei bezeichnet. Dieses Reichsfeuerlöschgesetz wurde in der Präambel unter anderem mit der wachsenden Bedeutung des Feuerlöschwesens für Verteidigungszwecke und den Luftschutz begründet. 

Die Präambel betont den Herrschaftsgrundsatz des Nationalsozialismus, das sogenannte Führerprinzip. In einer reichseigenen, geführten Polizeitruppe, zu der nun auch die Feuerwehren zu zählen waren, wurde diesem Führungsprinzip eine besondere Bedeutung zugemessen. Die Entscheidungen wurden ausschließlich von den Vorgesetzten (Führern) ohne Mitwirkung der Untergebenen getroffen.

Das Führerprinzip setzte sich jedoch in ländlichen Regionen nicht so schnell durch, sodass zunächst noch Heinrich Körner am 8. April 1933 zum Hauptmann gewählt wurde, die Ämter des Spritzenführers, des Schriftführers und des Kassierers wurden am 21. Juli des selben Jahres schon bestimmt. Nur ein Jahr nach seiner Wahl gab Körner das Amt an Hermann Kassebaum ab.

Am 4. Juni 1936 wurde Heinrich Achilles Brandmeister in der Gemeinde Bredelem. Der Löschverband Dörnten, zu dem die Wehren aus Dörnten, Bredelem, Jerstedt und Hahndorf gehören wird gegründet. Es wird ein Löschzug unter der Führung von Oberbrandmeister Dörge aus Dörnten gebildet und mehrere Halbzüge, von denen Heinrich Achilles den Bredelemer geführt hat.

1938 rückten die Bredelemer Kameraden, wahrscheinlich zum letzten Mal, mit der Handdruckspritze zu einem Scheunenbrand nach Jerstedt aus. 1938 wurde mit dem Feuerlöschgesetz die Normierung vereinheitlicht und die bis heute verwendete Storz-Kupplung für Schläuche und Armaturen reichsweit eingeführt. Bis dahin verwendeten die Feuerwehren der einzelnen Länder unterschiedliche Normen, was eine Zusammenarbeit erschwerte. Ab 1940 gebaute Feuerwehrfahrzeuge waren imTannengrün (RAL 6009) der Polizei lackiert. Als Feuerlöschpolizei trugen die Freiwilligen Feuerwehren die gleichen blauen Uniformen wie die Berufsfeuerwehren, jedoch waren die Kragenspiegel anders. Die Dienstgrade aus dieser Zeit haben bis heute Bestand, lediglich die Bezeichnungen haben sich geände

In der Zeit des Zweiten Weltkrieges ist nur wenig über die Aktivitäten der Bredelemer Feuerwehr aufgezeichnet worden. Eine wichtige Aufgabe war das Sammeln für die Winterhilfe durch den Verkauf ihrer Abzeichen. Am 1. November 1941 kam Bredelem zusammen mit der kreisfreien Stadt Goslar zum „Freistaat Braunschweig.“ Im Jahr 1942 sollte der technische Fortschritt die Feuerwehr Bredelem ereilen. Auf Grund einer höheren Weisung wurde verfügt, dass die Handdruckspritze, immerhin 48 Jahre alt, für die möglichen Anforderungen in der Brandbekämpfung während des Luftkrieges nicht ausreichte. So wurde Ende August eine genormte, 690 kg schwere Kleinmotorspritze der Firma Fladerer aus Jöhstadt in Sachsen angeschafft. Dazu gab es einen einachsigen Transportanhänger mit Eisenbereifung in grauer Farbe. Ein Foto der Pumpe ist leider nicht vorhanden, je doch war das Gerät weit verbreitet in Deutschland, sodass die hier gezeigte Abbildung dem Bredelemer Modell recht nahe kommen dürfte. Das Gerät wurde aus Vienenburg abgeholt und Kostete 3298,55 Reichsmark, was heute ca. 14900 Euro entspricht.  

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 In Bredelem selbst gab es glücklicherweise keine Kriegsschäden, jedoch musste der „Halbzug Bredelem“ im Jahr 1944 nach Klein Mahner ausrücken, wo nach einem Bombenabwurf 8 Scheunen in Brand standen. Am 10. April 1945 erreichten amerikanische Truppen das Dorf. Was nun aus der „Technischen Hilfspolizei“ Feuerwehr werden würde, war vollkommen ungewiss. Die polizeilichen Hoheitszeichen verschwanden und auf Anweisung der Besatzungstruppen mussten auf die schwarzen Stahlhelme, die 1940 die Lederhelme ablösten, die Aufschrift FIRE oder FIREMAN gepinselt werden. Als die Briten die Amerikaner ablösten, gab es erste Instruktionen, wonach der Polizeicharakter bei der Feuerwehr abgeschafft wurde.

1946 wird das Land Niedersachsen gegründet und  das Feuerlöschwesen mit der Verabschiedung des Niedersächsischen Brandschutzgesetzes am 21.März 1949 neu organisiert. Die Feuerwehren waren nun wieder eine Einrichtung der jeweiligen Gemeinde. Dank der Währungsreform von 1948 war man auch finanziell in der Lage, die Ausrüstung der Feuerwehr stetig zu verbessern.

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Zur Steigerung der persönlichen Leistungsfähigkeit nahmen die Kameraden der Feuerwehr regelmäßig an Feuerwehrwettkämpfen teil. Die Fotos zeigen die Wettkampfgruppe am 22. Juni 1969 bei den Kreiswettkämpfen in Haverlah. Die Gruppe bestand aus dem Gruppenführer Reinhard Tyralla, dem Maschinisten Jürgen Fett, sowie Albert Ahrens, Wolfgang Liebhardt,  Herbert Bock, Willi Wieringa, Arno Kremling, Klaus Konrad und Hans Konrad.

Im technischen Bereich konnte die Feuerwehr ab 1962 eine neue Tragkraftspritze ihr Eigen nennen. Im August konnte das 4080 DM teure Gerät unter den Augen des Gemeinderates, des Kreisbrandmeistes Müller und des Unterkreisbrandmeisters Stecher an der Innerstebrücke abgenommen werden. Der Unterkreis war ein Überbleibsel aus der Vorkriegszeit, nun jedoch bedeutend größer, bestand er aus den Wehren Bredelem, Jerstedt, Hahndorf, Dörnten, Groß Döhren, Klein Döhren, Liebenburg und Klein Mahner.

Am 30. Dezember 1965 gab es nach langer Zeit ein Großfeuer in Bredelem, das den Auftakt zu einer ganzen Reihe von Scheunenbränden darstellte. Bis Juni 1973 brannte es insgesamt achtmal, was das Dorfbild wiederum veränderte. Es war der alte Schafstall auf dem „Führerhauptquartier“ in der Landstraße 8, einem Hof der Familie Szierbowski. Die GZ berichtet, dass ein junger Mann gegen 3:30 Uhr das Feuer entdeckte, es den Feuerwehren aus Bredelem, Jerstedt und Langelsheim gelungen ist, das angrenzende Pfarrhaus zu schützen, jedoch das alte Stallgebäude auf Grund starken Windes ein Opfer der Flammen wurde. Als vermeintliche Ursache wird ein nicht ganz ausgeschalteter Heizlüfter genannt.

image127Am 17. Februar 1967 sollte die bis dahin übliche Kooperation zwischen Feuerwehr und Landwirtschaft dahingehend beendet werden, dass die Kameraden aus der Landwirtschaft nicht mehr mit den schnellsten Pferden oder dem schnellsten Trecker zum Einsatz kommen mussten. Stattdessen wurde ein Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) der Marke Ford, Typ Transit beschafft. Das neue Fahrzeug wurde mit der Pumpe aus dem alten Anhänger bestückt. Sechs Kameraden mussten nun nicht mehr laufen, sondern fanden auch einen Platz im neuen Fahrzeug. Der Anschaffungspreis für das neue Fahrzeug war mit 13.400 DM (6850 €) regelrecht preiswert und dürfte heute für ein vergleichbares Fahrzeug das 18 bis 20-fache betragen. Heinrich Achilles sen. gab nach 30 Jahren Amtszeit (1936-1949) und (1950-1967) sein Amt als Gemeindebrandmeister ab. Für seine außerordentlichen Verdienste wurde er von Kreisbrandmeister Lachmund mit dem Feuerwehrehrenkreuz 1. Klasse ausgezeichnet. Bürgermeister Janzig ernannte Ihn im Beisein des Rates und des Oberkreisdirektors  Erhard Müller zum Ehrenbrandmeister der Bredelemer Feuerwehr. Sein Nachfolger wurde Wilhelm Döpelheuer.

Am 26.Januar 1968 brannte Bredelems größtes Gebäude, die Scheune auf dem Hof von Wilhelm Wedde in der Landstraße 4. Ein Schlachterlehrling aus Langelsheim hatte das Feuer auf dem Weg zu einem Kunden bemerkt und sofort am gegenüberliegenden Feuerwehrhaus die Sirene aktiviert. Im Gasthaus Macke fand zur gleichen Zeit die Versammlung der Forstinteressentenschaft statt, auf der sich neben sieben Feuerwehrmännern auch Ehrenbrandmeister Achilles befand. So konnten die Männer schnell zum Feuerwehrhaus laufen, das gegenüber der Brandstelle war. Dort wartete bereits Anneliese Achilles, Schwiegertochter von Heinrich,  mit dem Schlüssel. Nach vier Minuten konnte bereits Wasser aus der Zisterne gegeben werden. 135 Feuerwehrleute aus Jerstedt, Dörnten, Langelsheim, Hahndorf, Upen, Liebenburg, Groß Döhren und aus der Kreisschirrmeisterrei in Schladen eilten zur Hilfe. Aus der 1300 Metern entfernten Innerste wurde mit zwei Leitungen Wasser hinzugeführt, so dass der östliche Teil der über 60 m langen Scheune unversehrt blieb.

Am 26. September 1970 brannten nach Schweißarbeiten an einer Wasserleitung der Dachstuhl am Wohnhaus von Herbert Bock, sowie ein angrenzendes Stallgebäude. Mit Hilfe der Feuerwehren aus Jerstedt, Dörnten, Heißum, Hahndorf, Othfresen, Upen, Ostharingen und Langelsheim konnte ein Übergreifen der Flammen auf die darunterliegende Wohnung vermieden werden, jedoch gab es einen beträchtlichen Wasserschaden.

Am 8. Januar 1971 brannte es erneut auf dem Hof von Herbert Bock. Mit Hilfe der Wehren aus Ostharingen, Dörnten, Jerstedt und Langelsheim konnte der Brand nach einer Stunde unter Kontrolle gebracht werden.

Am 8.November 1971 gab der amtierende Gemeindebrandmeister Wilhelm Döpelheuer sein Amt nach vier Jahren ab und unser Ehrenbrandmeister Werner Sante wurde zu seinem Nachfolger gewählt, jedoch sollte aus dem Gemeinde- bald ein Ortsbrandmeister werden. 

Am 1. Juli 1972 war es mit der über 800 Jahre andauernden Selbständigkeit der Bredelemer vorbei.

Aus der Gemeinde Bredelem wurde der Ortsteil Bredelem in der Stadt Langelsheim. Man wurde vom Landkreis Goslar getrennt und gehörte von nun an mit Astfeld, Wolfshagen im Harz, Lautenthal und Langelsheim zum Landkreis Gandersheim. Wieder einmal gehörte man in Bredelem nach Braunschweig und aus Unterkreisbrandmeister Stecher aus Jerstedt wurde Stadtbrandmeister Hubert Heine aus Astfeld, sowie aus Kreisbrandmeister Lachmund aus Lengde wurde Kreisbrandmeister Busekrus aus Bornum.

Am 29.Mai 1972 brannte es auf dem Hof von Heinrich Achilles in der Landstraße 6. In der Scheune brannte neben dem Stroh auch die Strohpresse. Durch schnelles Eingreifen konnte ein Übergreifen auf die Stallungen verhindert werden, sodass das Großvieh mit angesengten Ohren davongekommen ist. Unterstützt wurden die Bredelemer Kameraden durch die Wehren aus Langelsheim, Ostharingen, Upen, Dörnten, Hahndorf und Jerstedt.

Am 29. März 1973 brennt schon wieder eine Scheune in Bredelem, diesmal auf dem Hof von Familie Szierbowski in der Dorfstraße 19, dort wo die heutige Festscheune steht. Mit Hilfe der Langelsheimer Kameraden gelang es ein Übergreifen der Flammen auf das Wohnhaus zu verhindern, jedoch verbrannten neben 15 Tonnen Stroh und 10 Tonnen Dünger auch Mähdrescher, Schlepper, Anhänger, Beregnung und Düngerstreuer. Dies war der sechste schwere Brand innerhalb von zehn Jahren.

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Keine acht Wochen später, am 22. Mai 1973 wurde die Feuerwehr um 0:50 erneut zu einem Einsatz gerufen, wiederum war es, wie schon fünf Jahre zuvor Weddes Scheune in der Landstraße 4. Dieses Mal brannte das östliche Drittel. Ein Kamerad hatte nach Verlassen des Dienstabends den Brand bemerkt, so dass nach nur 8 Minuten Wasser gegeben werden konnte. Bei Eintreffen der Langelsheimer Wehr, war das Feuer zwar unter Kontrolle, jedoch kam auch das Tanklöschfahrzeug zum Einsatz. 20 Tonnen Stroh und 10 Tonnen Heu verbrannten. Das im Mittelteil gelagerte Getreide, ist durch das Löschwasser unbrauchbar geworden. Der Brandverhütungsingenieur und spätere Langelsheimer Bürgermeister Erich Heine erklärte gegenüber der Goslarschen Zeitung, dass vorsätzliche Brandstiftung nicht ausgeschlossen werden konnte.Das restliche Gebäude ist anschließend abgerissen worden. Ortsbrandmeister Werner Sante und Verwalter Siegfried Naumann begutachten am nächsten Morgen den entstandenen Schaden.

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Vier Wochen später, am 22. Juni 1973 hat es wiederum einen Scheunenbrand gegeben, jedoch konnte ein schnelles Eingreifen der Feuerwehr auf dem Niehoffschen Hof (Wilhelm Wedde) in der Dorfstraße 3 schlimmeres verhindern.  Mit diesem Brand endete die seit 1966 anhaltende Brandserie mit sieben Bränden. Gott sei Dank ist niemand dabei ernsthaft zu Schaden gekommen.

1974 entschloss man sich die Alarmierung der Wehr durch die Installation einer zweiten Sirene in der Straße am Krautbusch deutlich zu verbessern, da diese bei häufig auftretendem Südwestwind im Oberdorf besser zu hören ist als die in der Landstraße. Leider ist die zweite Sirene heute nicht mehr in Betrieb. 

Wenn auch keine Großfeuer mehr zu löschen waren, hatte die Bredelemer Wehr regelmäßig Einsätze: Vom vollgelaufenen Keller über den vergessenen Osterbraten bis zum Waldbrand in der Haar. Einen besonderen Einsatz gab es im Dezember 1976, als es zu einem Brand im Feuerwehrhaus kam. Zwei damals noch nicht verheiratete Kameraden hatten sich gerade ein Schnitzel im Letzen Heller auftischen lassen, als die Sirene aufheulte. Als sie das Gerätehaus in der Landstraße erreichten, hatten sie sogleich auch den Einsatzort erreicht. Neben der Feuerwehr wohnte auch der Schlachtermeister und ehemalige Gemeindebrandmeister Heinrich Hille im Spritzenhaus. Bei Arbeiten am Ofen war Glut zwischen die darum gestapelten Kohlen gefallen und die Wohnung war komplett verraucht. Heinrich Hille konnte, vor seinem Bett liegend, gerettet werden. Leider war wegen Frostgefahr kein Wasser in der Kübelspritze. Mit einem beherzten Griff in die Zisterne wurde sie gefüllt und es konnte gelöscht werden. Bis 1979 sollte von nun an immer ein Schuss Frostschutz im Löschwasser die Kübelspritze einsatzfähig halten.

Im Jahr 1977 erhielt die Bredelemer Wehr nach 15 Jahren eine neue Tragkraftspritze aus dem Hause Metz, die sich mittlerweile wieder hier in Bredelem befindet und Pumpe Nummer Fünf aus dem Hause Magirus unterstützt. Sie war zwischenzeitlich in Lautenthal, wo nun Pumpe Nummer Vier, eine Rosenbauer im Einsatz ist.

Zum 1. August 1977 wurde der Landkreis Gandersheim aufgelöst. Und in der Stadt Langelsheim schraubte man GAN von den Autos ab und GS zum ersten Mal an, was man in Bredelem ja schon kannte. Kreisbrandmeister im Landkreis Goslar war nach wie vor Heinrich Lachmund aus Lengde.  

Im Oktober 1978 entschloss der Rat der Stadt Langelsheim der Feuerwehr Bredelem ein neues Domizil zu geben. Hierzu wurde ein Anbau vor das ehemalige Schulgebäude in der Landstraße geplant. Die Garage mit zwei Einstellplätzen wurde errichtet und das ehemalige Klassenzimmer wurde zu einem Schulungsraum mit sanitären Anlagen umgebaut, den die Feuerwehr gemeinsam mit dem DRK nutzt. Die veranschlagten Baukosten von 40.000 DM reichten nicht aus, so dass man 97.500 DM investierte. Wegen der Fällung einer alten Kastanie gab es, wie schon 1895 beim Bau des alten Gerätehauses, wo die Friedenseiche weichen musste, nicht nur Zustimmung. Die Einweihung des Neubaus wurde mit musikalischer Untermalung des DRK Fanfarenzuges am 14.07.1979 gefeiert.

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 Das heutige Feuerwehrhaus im Jahr 1912                                 Richtfest am 21. November 1978

Der Ford sollte nicht lange das einzige Fahrzeug im neuen Gerätehaus bleiben. Aus Kameradschaftsmitteln konnte ein gebrauchter VW Bus T2 gekauft und zu einem Mannschafts-transportwagen (MTW) umgebaut werden. Hauptbrandmeister Herrmann Günther aus Oker schrieb hierzu in der Festschrift zum 90-jährigen bestehen der Wehr: „Der zweite Einstellplatz der Fahrzeughalle sollte nicht lange leer stehen. Hatten die Kameraden schon bei Bau und Einrichtung ihres neuen Gerätehauses tüchtig mit Hand angelegt, so bewiesen sie auch beim Umbau eines VW-Transporters zu einem soliden Manschaftstransportwagen (MTW), dass sie „Männer der Tat“ sind. Eine ganze Löschgruppe in der Stärke 1:8 kann so in aller Kürze dem zuerst ausgerückten TSF folgen, um die Kräfte am Einsatzort zu verstärken. Dem TSF, dem alten Ford, sieht man Dank bester Pflege nicht an, dass das Fahrzeug immerhin schon 17 Jahre auf dem Buckel hat. Eine Ersatzbeschaffung in den nächsten Jahren dürfte sich wohl nicht umgehen lassen. Darüber hinaus muss der Bredelemer Wehr attestiert werden, dass sie, gemessen an der Größe ihres Ortes, bestens ausgestattet ist und Fahrzeuge und Geräte sorgsam gepflegt hat. Startbereit stehen die beiden Einsatzfahrzeuge hinter ihren Ausfahrtstoren, und die korrekt aufgehängten Einsatzanzüge mit den darüber liegenden Leucht-Feuerwehrhelmen warten geradezu darauf, zum Einsatz abberufen zu werden.“

Die 80er Jahre begannen mit zwei Waldbränden, zum einen im Okertal, wo man zur nachbarschaftlichen Löschhilfe ausrückte zum anderen am Steinberg im Innerstetal. Der Ausbildungsdienst wurde intensiviert und insbesondere die alljährlichen Stadtübungen hatten stets interessante Aufgabenstellungen. 

Am 4. Januar 1985  um 1:50 Uhr hätte ein Großbrand an der Palandsmühle bei der Firma Interraster, einem Hersteller von Kunststoffdeckenplatten, einer vierköpfigen Familie fast  das Leben gekostet. Um 1:55 ist die Familie, die in einer Wohnung über dem Firmenbüro lebte, durch einen lauten Knall geweckt worden. Nur mit Nachthemden bekleidet alarmierten sie die Nachbarn und diese wiederum die Feuerwehren Bredelem und Langelsheim. Nach 20 Minuten bemerkte man mehrere Brandherde in einer 50 Meter weiter entfernten Produktionshalle, so dass die Feuerwehren aus Astfeld, Wolfshagen, Jerstedt und Goslar hinzualarmiert wurden. 160 Kameraden und 24 Fahrzeuge waren nun bei eisigen Temperaturen im Einsatz, um in die durch den brennenden Kunststoff stark verrauchte Halle vorzudringen. Dies gelang nur mit Äxten und Brecheisen. Nach einer Stunde entdeckte man Feuer in einer weiteren Lagerhalle, sodass man an 3 Fronten das Feuer bekämpfen musste. Zwei Feuerwehrleute mussten mit Verletzungen ins Goslarer Krankenhaus gebracht werden. Gegen sieben Uhr morgens war das Feuer, bis auf einige Nachlöscharbeiten aus. Ein Großteil der Kräfte konnte herausgelöst werden. Die tiefen Temperaturen haben die Löscharbeiten dahingehend erschwert, dass das Wasser in den Schläuchen ständig in Bewegung bleiben musste um nicht einzufrieren. Die Innerstebrücke war mit einer dicken Eisschicht überzogen. Sofortige Ermittlungen der Kriminalpolizei wiesen eindeutig auf Brandstiftung hin: Fußspuren im Schnee, Sprayparolen wie „ihr Kapitalistenschweine“ sowie angeschlagene Heizöltanks, aus denen das Öl in die Halle lief. Es waren mehrere Lunten gelegt. Neben dem reinen Gebäudeschaden von 500.000 DM wurde der Gesamtschaden auf 3.000.000 DM geschätzt, da nicht nur die keine sechs Monate alten Produktionsmaschinen, sondern auch 20.000 Quadratmeter  Deckenpaneele für ein Messezentrum verbrannten. Das DRK versorgte die nun obdachlose Familie mit dem Nötigsten und die Stadt Langelsheim kümmerte sich umgehend um eine neue Bleibe. Besonders hart war es für die Langelsheimer und Astfelder Kameraden, die am darauffolgenden Abend gegen 20:30 Uhr zu einem Gebäudefeuer nach Lautenthal mussten. Die Firma Interraster nahm die Produktion nach langwierigen Ermittlungen und Auseinandersetzungen mit der Versicherung, mit Hilfe eines Kredits und dem persönlichen Einsatz der Eigentümer wieder auf.

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Am 6. September gab es wieder einen Brandanschlag auf die Firma Interraster. Punkt zwei Uhr gaben die Sirenen im Innerstetal Vollalarm und für 136 Einsatzkräfte von Feuerwehr und DRK sollte sich die Schreckensnacht vom Januar wiederholen. Mit schwerem Atemschutz mussten sich die Kräfte zu den brennenden Paneelstapeln vorarbeiten, um sie mit Löschschaum zu ersticken. Das Dach der 25 mal 100 Meter großen Halle stürzte ein. Die Täter hatten mehrere Benzinkanister in den Hallen aufgestellt und sie durch Aufstreichen von brennbarem Kunststoffkleber auf dem Fußboden miteinander verbunden. In einem nicht betroffenen Produktionsteil hatten die Täter Maschinen und Elektroschaltkästen mit dem Kleber beschmiert, um hundertprozentig sicher zu gehen, dass alles verbrennt. An eine Wand hatte man die Parole: „Raster Scheißkerle, es ist aus. Schert euch zum Teufel“ geschrieben. Diese eindeutige Ansage führte dazu, dass der Betrieb eingestellt wurde. Ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 1988 berichtet im Rahmen der Serie „Täter unbekannt – nicht geklärte Kriminalfälle im Raum Goslar“ noch einmal über die Geschehnisse. Es wird geschrieben, dass nie ein oder mehrere Täter dingfest gemacht wurden, es aber wahrscheinlich wäre, dass wirtschaftliche Interessen hinter den Vorfällen stünden.

Im Mai 1985 sollte es einen Wechsel in der Wehrführung geben. Nach 14 Jahren gab Werner Sante sein Amt an seinen Stellvertreter Heinfried Scherb ab. Hans-Heinrich Hahn wurde der neue stellvertretende Ortsbrandmeister. Die Anfang der 80er Jahre gegründete zweite Gruppe wurde auf Grund zurückgegangener Mitgliederzahl am 1. Juli 1985 wieder aufgelöst. Die Struktur mit einer Gruppe hat bis heute Bestand, was  sich auch positiv auf die Kameradschaft auswirkte. Ein Flächenbrand auf dem Bredelemer Truppenübungsplatz zeigte, dass eine ausreichende Löschwasserversorgung nur mit Hilfe von Tanklöschfahrzeugen möglich ist, weil Wasser nur in größerer Entfernung vorhanden ist. Wichtig war hier auch eine engere Zusammenarbeit mit dem Militär, da es nicht einfach ist, auf dem weitläufigen Gelände sofort den Brandherd zu lokalisieren. Eine gemeinsame Übung der Bundeswehr und der Langelsheimer Ortswehren sollte dieses verbessern.

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